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Fit statt fett - Kinder brauchen Bewegung!

Fit statt fett - Kinder brauchen Bewegung

Nicht einmal 30 Minuten nutzen Kinder im Durchschnitt den Tag zur aktiven Bewegung. Keine Wunder also, dass die jüngsten Berichte über den körperlichen Zustand deutscher Kinder alarmierend sind. Jedes dritte Kind hat definitiv zu viel „Speck auf den Rippen“. Die Gründe sind insbesondere in einer falschen Ernährung und latentem Bewegungsmangel zu suchen. Die Lösung für dieses Problem scheint einfach zu sein: Unsere Kinder brauchen mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung.

Bei Kindern treten vermehrt Beschwerdebilder auf, die Ärzte bislang nur bei Erwachsenen festgestellt haben. Haltungsschäden und Rückenschmerzen aufgrund jahrelanger sitzender Tätigkeit und Diabetes melitus vom Typ II sind inzwischen auch bei den Kleinen keine Ausnahme mehr. Diabetes melitus vom Typ II ist normalerweise eine altersbedingte Zuckerkrankheit.
Das Erfolgsrezept gegen die überflüssigen Pfunde ist denkbar einfach: Mehr Bewegung und eine bewusste, ausgewogene Ernährung. Hier mangelt es keineswegs an Konzepten und gutem Willen, wie die Bemühungen des Bundesministeriums für Verbraucherschutz zeigen. Der Kern des Problems liegt in der Umsetzung dieses Erfolgsrezepts. Wie die zuletzt veröffentlichten Studien hervorgebracht haben, kann der Schulsport dazu nur wenig beitragen. Allzu häufig fällt der Sportunterricht ersatzlos aus oder die Anzahl der Wochenstunden ist zu gering. Außerdem entsprechen die Inhalte des Sportunterrichts nicht immer gesundheitsorientierten Maßstäben.

Motivation
„Um Kinder für Bewegung zu begeistern, ist der Spaßfaktor ganz entscheidend“, sagt Uschi Moriabadi, Ausbildungsleiterin des Gruppentrainingsbereichs bei der BSA-Akademie (www.bsa-akademie.de). „Darin unterscheidet sich das Prinzip grundsätzlich nicht vom Erwachsenen-Training. In beiden Fällen gilt es, eine Bewusstseinsänderung hervorzurufen, bei der am Ende Bewegung und richtige Ernährung nicht mehr länger als Pflichtprogramm angesehen wird, sondern ein gewünschter und damit fester Bestandteil des Tagesablaufs ist. „Vor allem bei Kindern steht der Spaß an der Bewegung und das Bedürfnis nach sozialen Kontakten mit Gleichaltrigen und Gleichgesinnten im Vordergrund.“
In der Praxis unterscheidet sich das „Training“ für Kinder allerdings stark vom Erwachsenenprogramm. Grundsätzlich müssen sämtliche Trainingsprogamme, ob im Ausdauer-, Kraft-, oder Beweglichkeitsbereich, auf die entwicklungsbedingten psychischen und physischen Besonderheiten der Heranwachsenden abgestimmt sein. Kurz, für jede Altersstufe gelten spezielle pädagogische Prinzipien, die die Inhalte der jeweiligen Bewegungseinheit bestimmen“, erklärt Uschi Moriabadi, die jahrelang im Kinderfitnessbreich gearbeitet hat und nun Fit-Kids-Kursleiter ausbildet. „Auf keinen Fall dürfen die Belastungsgrößen und die Trainingsmethoden des Erwachsenentrainings einfach kopiert und auf das Fitnesstraining mit Kindern und Jugendlichen übertragen werden.“
Welches Training ist sinnvoll?
Unter dem präventiven Gesichtspunkt ist im Kindes- und Jugendalter ein vielseitiges und abwechslungsreiches Training einem einseitigen, maximalen und leistungsbetonten Training vorzuziehen. Primär sollte das Training dazu dienen, Muskel-, Haltungs- und Organleistungsschwächen vorzubeugen oder sie zu regulieren.

Die verschiedenen Entwicklungsstufen lassen sich wie folgt einteilen:
· Vorschulalter, 3 bis 6/7 Jahre,
· frühes Schulkindalter, etwa 6/7 bis 10 Jahre;
· spätes Schulkindalter, Mädchen von 10 bis 12 Jahre, Jungen 10 bis 13 Jahre;
· erste puberale Phase – Pubeszenz, Mädchen 11/12 bis 13/14 Jahre, Jungen 12 bis 14/15 Jahre;
· zweite puberale Phase – Adoleszenz, Mädchen 13/14 bis 17/18 Jahre, Jungen 14/15 bis 18/19 Jahre;
· frühes Erwachsenenalter, 18/20 bis 30/35 Jahre.
Im Vorschulalter haben die Kinder einen hochgradig ausgeprägten Bewegungs- und Spieldrang. Ihre Konzentrationsfähigkeit ist nicht besonders entwickelt, das Denken der Kinder ist intuitiv, konkret, praxisbezogen, eng an die persönliche Erfahrung gebunden und von einer hohen Emotionalität gekennzeichnet. In der Trainingspraxis steht deshalb der Erwerb von grundlegenden Bewegungseigenschaften wie beispielsweise Sprungkraft und Reaktionsfähigkeit im Vordergrund, die mit lust- und freudbetonten sowie kurzweiligen Inhalten vermittelt werden. Ein spezielles Fitnesstraining insbesondere an Krafttrainingsgeräten ist aufgrund der Verletzungsgefahr nicht empfehlenswert. Die Bewegungsaufgaben sollen die Kreativität und die physische Selbsterfahrung fördern. Dies wird hauptsächlich durch kleine Spiele im Gruppentrainingsbereich erreicht.
Ein gezieltes Krafttraining ist auch im frühen Schulkindalter abzulehnen. Die entwicklungsspezifischen Besonderheiten dieser Altersgruppe sind eine sehr gute motorische Lern- und Leistungsfähigkeit, ein begeistertes Sportinteresse und ein ungestümes Bewegungsverhalten. In diesem Alter lernen die Kinder besonders gut grundlegende Bewegungstechniken, da sie sich die Kenntnisse und Fertigkeiten kritiklos aneignen. Deshalb sollte ein polysportives Training im Vordergrund stehen, das insbesondere die koordinativen Fähigkeiten schult. Empfehlenswert ist ein gymnastikorientiertes Bewegungsprogramm.
Das beste motorische Lernalter ist das späte Schulkindalter. Es ist die Schlüsselphase für das spätere Bewegungskönnen und eine hochgradige Köperbeherrschung. Außerdem haben die Kinder in diesem Alter ein sehr günstiges Last-Kraft-Verhältnis sowie die höchste Ausprägung der Beweglichkeit. Ein variables und zielgerichtetes Üben von sportlichen Techniken ist deshalb sinnvoll, das auf eine vielseitige Erweiterung des Bewegungsschatzes ausgerichtet ist. Dabei ist insbesondere auf die Qualität und nicht auf die Quantität zu achten. In diesem Stadium ist auch die Aufnahme eines speziellen Ausdauertrainings zu empfehlen. Ein gerätegestütztes Krafttraining ist nur in Verbindung mit geeigneten Geräten sinnvoll. Ansonsten stehen funktionsgymnastische Kräftigungs- und Beweglichkeitsübungen im Vordergrund.
Mit der ersten puberalen Phase verschlechtert sich das Last-Kraft-Verhältnis durch Wachstumsschübe. Die Belastbarkeit des passiven Bewegungsapparats geht zurück. Dafür nimmt die Muskelmasse und Muskelkraft zu und die Trainierbarkeit der konditionellen Fähigkeiten erhöht sich. Außerdem verschieben sich in diesem Alter die Interessen der Kinder und damit kann die Lust am Sport nachlassen. In diesem Entwicklungsstadium sollte ein Ausdauertraining und die Schulung der koordinativen Fähigkeiten ins Trainingsprogramm aufgenommen werden. Das Ausdauertraining ist ausschließlich umfangs- und nicht intensitätsbetont. Geräteunterstütztes Krafttraining ist nur in Verbindung mit den geeigneten Geräten und einer exakten Beherrschung der Technik zu empfehlen.
Die Trainierbarkeit der Koordination und der Ausdauer erreichen gegen Ende der zweiten puberalen Phase annähernd Erwachsenenwerte. Das Knochenwachstum ist abgeschlossen und das neuronale System erreicht die höchste Bereitschaft, Bewegungsprogramme zu speichern und zu automatisieren. Kraft- und Ausdauertraining sollten immer noch mehr umfangs- als intensitätsbetont sein. Ein allgemeines und spezielles Bewegungstraining festigt und baut die motorischen Fähigkeiten aus.
Im frühen Erwachsenenalter ist die motorische und körperliche Entwicklung abgeschlossen. In diesem Alter erreicht der Mensch seine sportliche Höchstleistung. Die Trainierbarkeit der motorischen Hauptbeanspruchungsformen ist uneingeschränkt möglich. Voraussetzung ist allerdings eine gute Gesundheit.
Stärkung des Selbstwertgefühls
Ein allgemeines Fitnesstraining hat unbestritten positive Effekte auf die Gesundheit und die Psyche. Insbesondere der psychische Faktor ist bei Kindern von außerordentlicher Bedeutung. Für ein gesundes Selbstvertrauen sind Erfolgserlebnisse unabdingbar. Ein kindgerechtes Bewegungsprogramm kann einen entscheidenden Beitrag zu einem gesunden Selbstvertrauen leisten, da die positive Einstellung zum eigenen Körper eine wichtige Voraussetzung für die Entwicklung des Selbstwertgefühls und damit der Persönlichkeit ist. Das Erleben von selbstständigem Handeln im Sport und das Erreichen von realistisch gesteckten Zielen steigert das positive Selbstwertgefühl. Durch eine altersgerechte Aufgaben- und Problemstellung sollte der eigenständige Entscheidungs- und Verantwortungsspielraum zunehmend aufgebaut werden.
Fit statt fett
Kinder brauchen Bewegung! Das hat nichts mit übertriebenem Leistungsdenken zu tun. Bewegung unterstützt die natürliche Entwicklung der Kleinen, fördert die Persönlichkeitsentwicklung und verhindert vor allem eine übermäßige Gewichtszunahme.


Autorin:
Uschi Moriabadi ist Diplom-Sportlehrerin, ehemalige Leistungssportlerin (Rhythmische Sportgymnastik) und arbeitet seit über 15 Jahren in der Fitnessbranche. Sie leitete ein Gymnastik- und Tanzstudio und war Dozentin an einer Schule für staatlich geprüfte Gymnastiklehrer. 1987 übernahm sie die Leitung des Grouptrainingsbereichs bei der BSA-Akademie. Seit 2002 ist sie zusätzlich für die Gruppentrainings-Abteilung an der BSA-Privaten Berufsakademie verantwortlich und Leiterin des BSA/BA-Studienstützpunkts in München.

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